ALGODYSTROPHIE-SYNDROM
Algodystrophiesyndrom, neurodystrophisches Syndrom

Der Begriff "Algodystrophie-Syndrom" wird von manchen Autoren auch zusammen geschrieben (Algodystrophiesyndrom).

Das Algodystrophie-Syndrom wird auch als neurodystrophisches Syndrom oder sy mpathische Ref lexdystrophie bezeichnet. 

Beim Algodystrophie-Syndrom handelt es sich um eine neuro-vasotrophische (= Nerven, Blutgefäße und Ernährung betreffende) Gewebsschädigung, die umschrieben an den Extrem itäten (= Ar me und Be ine) auftreten kann.

Das Algodystrophie-Syndrom (Algodystrophiesyndrom, neurodystrophisches Syndrom) läuft in drei Stadien ab:

  1. Akutes Stadium
    Im Vordergrund stehen
    diffuse und heftige Brennschmerzen, ähnlich wie bei einer Kausalgie (= Schmerzen nach Nervenverletzung), auch in Ruhe, Schwellung infolge eines Ödems (= krankhafte Flüssigkeitsansammlung) und hochgradige Funktionseinschränkung. Die Haut ist rötlich/bläulich verfärbt und teigig verändert sowie überwärmt. Häufig besteht eine Hyperästhesie (= gesteigerte Empfindlichkeit) bis hin zu Allodynie (= Berührungsschmerz schon bei leichter, normalerweise nicht schmerzhafter Berüh rung).
     

  2. Dystrophisches (= durch Mangel- oder Fehlernährung bedingte Störungen und Veränderungen einzelner Körperteile betreffendes) Stadium
    Das Gewebe atrophiert
    (= schwindet, bildet sich zurück) und die Schwellung geht zurück. Schmerzen lassen nach und die Temperatur im betroffenen Körperbereich ist herabgesetzt.
     

  3. Stadium der Atrophie
    Knoc hen und Weichteile sind atrophiert
    (= haben sich zurückgebildet), auch die Mus keln, beteiligte Gelenkkapseln sind geschrumpft. Es besteht eine deutliche Bewegungseinschränkung. Die Haut ist dünn, blaß, beteiligte Knoc hen sind entkalkt (Röntgenbild!).

Das Algodystrophie-Syndrom kommt in der idiopathischen (= als krankhafter Zustand selbständig, also ohne erkennbare Ursache, entstanden) oder sekundären (= auf eine Vorerkrankung, auf ein vorangegangenes Ereignis zurückzuführende) Form vor. Die Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) ist unbekannt.

Das sekundä re Algodystrophie-Syndrom tritt in erster Linie posttraumatisch (= nach einer Verletzung) und postoperativ (= nach einer Operation) auf, aber auch organreflektorisch (= unmittelbare und unwillkürliche, über das Nervensystem erfolgende Antwort eines Organgewebes auf einen Reiz) (z.B. Herzinfarkt) oder neurogen (= mit dem Nervensystem zusammenhängend) (z.B. Hemiplegie, Parkinson Krankheit (= Schüttellähmung), Herpes zoster).

In sehr ausgeprägten Form liegt ein Algodystrophie-Syndrom bei der Sudeck Dystrophie (Kom plexes reg ionales Schmerzsynd rom Typ I*) vor. 

Beim Algodystrophie-Syndrom (Algodystrophiesyndrom, neurodystrophisches Syndrom) werden zur Behandlung intravenöse Guanethidinblockaden und die Gabe von Phenoxybenzamin (Dibenzyran®) empfohlen (Thoden 1987). Auch die Gabe von Calcitonin (= ein Gewebshormon) soll günstig sein, was wir allerdings bislang nur selten feststellen konnten. Im akuten Stadium ist Kortison hilfreich, so. z.B. Metylprednisolon über 4-5 Tage 80 mg, dann über 2 Wochen wieder ausschleichen. Zuvor muß allerdings eine "echte" En tzündung ausgeschlossen werden.
Die generelle Empfehlung direkter Schmerzmittel ist schwierig, da die Ansprechbarkeit sehr individuell ist. Es sollte deshalb zuvor eine Analgetikaaustestung erfolgen. Meist kommt man aber um die Verordnung zentral (= im Gehirn / Rückenmark) wirkender Analgetika (= Schmerzmittel) nicht herum.
Beim Algodystrophie-Syndrom können zur Schmerzbekämpfung eher Antiepileptika (= Mittel gegen die Fallsucht, u.a. aber auch bei einem Algodystrophie-Syndrom hilfreich) gegeben werden (Tremount-Lukats et al. 2000). Als wichtigste Medikamente aus dieser Gruppe gelten heute Gabapentin (Neurontin®) und Pregabalin (Lyrica®). Die Aufdosierung kann relativ rasch erfolgen, je nach Toleranz).
In der Literatur wird darüber hinaus die intravenöse Gabe von Biphosphonaten (z.B.Ostac®) empfohlen (Varenna M, et al 2000).

Als physikalische Therapiemaßnahme bei Algodystrophie-Syndrom eignet sich die Ultraschallbehandlung (Thomalske 1991). Auch die Magnetfeldtherapie soll hilfreich sein. Ganz wichtig sind beim Algodystrophie-Syndrom therapiebegleitende, intensivste krankengymnastische Übungsbehandlungen, die allerdings nicht schmerzhaft sein dürfen, weil sich sonst die Blutgefäße zusammenziehen und damit die lokale Stoffwechselstörung begünstigt wird. Optimal ist die Krankengymnastik, wenn durch eine entsprechende Blockadebehandlung (siehe unten) die Schmerzreizleitung weitgehend ausgeschaltet wird.
Neuerdings führen wir bei einem Algodystrophie-Syndrom im Bereich der unteren Extremitäten (= Beine) zusätzlich mit gutem Erfolg die SynOpsis Therapie durch. Die Unterschen kel des Pat. befinden sich dabei in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz pulssynchron (= in Ahängigkeit vom Pulsschlag) zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales (= im gleichen Rhythmus) Gefäßtraining. Über eine Verbesserung der Durchblutung wird der lokal (= örtlich) gestörte Stoffwechsel optimiert. Mehr über diese Therapie erfahren Sie hier: www.1-avk.de (einfach anklicken).

Spezielle Schmerztherapie

Die konsequente Anwendung der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) führt beim Algodystrophie-Syndrom zu beachtlichen Erfolgen. 
Für den Bereich der Arme hat sich die Blockade
(= Betäubung) des Ganglion stellatum (= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich) bewährt, optimal in kontinuierlicher Form mit Katheter**. Auch die kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis mit Katheter** ist sehr hilfreich, zumal das Nervengeflecht des Armes reich an vegetativen Fasern ist, so daß es neben der erwünschten Hemmung der Nozizeption (= Schmerzreizleitung) auch zu einer Steigerung der Durchblutung kommt und somit auch die gestörte Mikrozirkulation im Schmerzbereich optimiert wird, beim Algodystrophie-Syndrom (neurodystrophisches Syndrom) eine wichtige Voraussetzung dafür, daß die Schmerzlinderung auch über den Behandlungszeitraum hinaus anhält. 

Beim Algodystrophie-Syndrom im Bereich der Be ine (einschließlich fte) kommen ebenso kontinuierliche Blockadetechniken** zur Anwendung:

Auch die Nerven femoral is und ischiad icus führen vegetative Fasern, so daß die erwünschte Sympathikolyse (= gefäßerweiternde und damit durchblutungssteigernde Wirkung) ebenfalls eintritt.

Als nächst höhere Therapiestufe bietet sich beim Algodystrophie-Syndrom dann die kontinuierliche peri(epi)durale (= rückenmarknahe) Blockade mit Katheter** an. 

Das Algodystrophie-Syndrom erfordert eine längerfristige Blockadebehandlung (mindestens 2 bis 3 Wochen). Nach neueren Erkenntnissen vermag diese intensive Blockadetherapie das sog. Schmerzgedächtnis löschen, auch bei einem Algodystrophie-Syndrom.
Diese intensive Blockadebehandlung ist aber nur in einer Klinik (Schmerzklinik) durchführbar.

Hypnoide (= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson aber auch ein Schmerzbewältigungstraining sind eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie.

Bestehen beim Algodystrophie-Syndrom längerfristig chronische Schmerzen, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Erläuterungen:

*   Neue Bezeichnung der International Association for the Study of Pain: 
     CRPS  = Complex Regional Pain Syndrome (Reflex Sympathetic Dystrophy Syndrome) - bzw.:
   
Komplexes regionales Schmerzsyndrom

** Bei der sog. kontinuierlichen Blockade eines Nerven mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht “aufgeschnitten” werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung und damit Optimierung des lokalen (= örtlichen) Stoffwechsels (besonders wichtig beim Algodystrophie-Syndrom) resultiert.

Aktualisiert: k 15.10.05
A
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Links zu empfehlenswerten Einrichtungen:
www.norderney-insel-hotel.de/norderney-hotel
www.norderney-insel-hotel.de
Schmerzklinik: www.schmerzklinik-1.de
Seniorenhotel: www.senioren-hotel.com

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